Pressestimmen

 

Reutlinger Generalanzeiger:
Pfullingen/Eningen/Lichtenstein / 21.11.2017


MUNDART IN LICHTENSTEIN - Dietlinde Ellsässer holt in Unterhausen Pfarrer und Bürgermeister zur Herzblatt-Runde auf die Bühne
 

»Man isch au ohne ebber ebber«
 

VON JOACHIM BAIER LICHTENSTEIN. Beim Auftritt von Dietlinde Ellsässer in der ersten Reihe sitzen, ist immer gewagt. Zu spät kommen und dann ganz vorne Platz nehmen, davor sei gewarnt: Gerade hatte die schwäbische Ulknudel beim Mundart-Abend in Unterhausen Pfarrer Martin Bauspieß aufs Korn genommen, als ein Nachzügler hereinhuschte und sich ausgerechnet auf den freien Stuhl neben den Geistlichen setzte. »Isch des dr Mesner?« fragte Dietlinde Ellsässer in die Runde. Im Saal brach schallendes Gelächter aus.

»Ledig in Schwaben« heißt das Soloprogramm, mit dem Dietlinde Ellsässer dem Publikum in Lichtenstein Lachtränen in die Augen trieb. FOTO: GHV-Archiv

»Wie darf ich Sie denn nennen?«, wandte sie sich keck an den verspäteten, ihr offensichtlich unbekannten Herren. »Peter«, antwortete der. »Peter! So hend bei ons früher emmer d' Kater g'hoißa.« Das Publikum tobte vor Vergnügen. Bürgermeister Peter Nußbaum nahm's mit Humor und lachte herzhaft mit. Später durften der »Herr Peter«, Pfarrer Bauspieß und Gert Lindemann vom Geschichts- und Heimatverein mit der schlagfertigen Schwäbin zum Vergnügen der Gäste eine Runde Herzblatt spielen.

»Peter! So hend bei ons früher emmer d' Kater ghoißa«

»Schee grichded« sei er, begrüßte die Ellsässer den Schultes auf der Bühne. Auch der Pfarrer bekam ein Lob fürs »Pullöberle«. An Lindemann, dem dritten Galan in der Herzblatt-Runde, fiel ihr die Krawatte auf: »Wenn die mal modern wird, dann hast Du sie schon.« Jeder der Herren sollte erzählen, wie er seine Herzdame empfangen würde. Und das wussten die Kandidaten durchaus blumig auszuschmücken. Per Klatschprobe mit dem Publikum wurde Lindemann zum Sieger gekürt. Als Rosenkavalier kam er dann in den Genuss eines kurzen Tänzchens.

»Ledig in Schwaben« heißt das Soloprogramm, mit dem Dietlinde Ellsässer am Freitag im voll besetzten evangelischen Gemeindehaus dem Publikum mit ihrem trockenen schwäbischen Humor, gewürzt mit knalligen Pointen, die Lachtränen in die Augen trieb. Vorteile des Ledig-Seins konnte die gebürtige Hemmendorferin etliche nennen: Man kann die ganze Nacht stoßlüften. Man kann mit dem Buttermesser »ens Gsälzglas nei«, ohne dass jemand meckert. Dagegen »des Ehe-Sach«: Die ganze Nacht im Doppelbett, »do schnaufeschd doch blos des ei, was dr andere ausschnaufed«.

Die Männer bekamen bei Dietlinde Elsässer ebenfalls ordentlich was ab. »Küssen im Schulunterricht«, so ihr künstlerischer Ansatz für einen radikalen Wandel in der Bildungspolitik. Da gibt's Nachholbedarf: »Vor allem die jungen Kerle sollten das lernen!« Sie selbst habe schon gelegentlich auch ans Heiraten gedacht, bemerkte sie augenzwinkernd, aber nur, weil es Männer gibt wie Winnetou, Tarzan oder James Bond.
 

»Das Ledig-Sein ist eine innere Gemachtheit«

Mit einigen Liedern zur Playbackmusik sorgte die Künstlerin zwischendurch für Entspannung der Lachmuskeln. Zum Abschluss gab es eine kurze Zusammenfassung auf Hochdeutsch: Das Leben ist jetzt, so die Botschaft, nicht erst an Weihnachten, das vielleicht doch nur wieder eine Enttäuschung wird. Anfangen, sich selber zu lieben, lautet das Grundrezept zum Gelingen der Solo-Karriere im Leben. »Das Ledig-Sein ist eine innere Gemachtheit«, oder, wie es die Schwäbin auf den Punkt bringt: »Man isch au ohne ebber ebber.«

Organisator Gert Lindemann freute sich über das volle Haus und berichtete, dass die Tickets für Dietlinde Ellsässer im Vorverkauf rasch ausverkauft waren. Der Geschichtsund Heimatverein Lichtenstein veranstaltet seinen Mundart-Abend seit 24 Jahren immer einmal im November. Fürs Jubiläum im kommenden Jahr 2018 habe bereits Winfried Wagner, bekannt als Bäckermeister Laible aus der SWR-Fernsehserie, zugesagt. »Er war auch bei unserem allerersten Mundartabend dabei«, freut sich Lindemann bereits auf das Wiedersehen. (GEA)

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